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Ein Rundes Sternentor, welches in einen minimalistischen Tempel gebaut ist der rechts und links von Bäumen umsäumt ist.
Boullée, É. (1784) Newton’s Cenotaph. France Paris Île-De-France, 1784. [Place of Publication Not Identified: Publisher Not Identified] [Photograph] Retrieved from the Library of Congress, https://www.loc.gov/item/2021669836/.

Rollenspiel Jahresrückblick 2026

·1624 Wörter·8 min
Bartimeaus
Autor
Bartimeaus
Bartimeaus (er) schreibt auf Würfellustarbeit über Rollenspiel, progressive Phantastik, Horror und sonstige Themen die Ihm einfallen.

Mit Schrecken habe ich heute gesehen, dass mein letzter Blogpost aus dem August ist 😱Ein aufregendes Jahr liegt hinter mir, in dem ich leider viel zu wenig zum Bloggen gekommen bin. Ob sich das 2026 bessern wird, weiß ich nicht.

Seit August im vergangenen Jahr fließt viel meiner Energie in mein Studium. Im August 2025 wurde ich für den Master Zukunftsforschung an der Freien Universität in Berlin angenommen. Den Master absolviere ich berufsbegleitend. Wo ich abends eher Zeit in das Hobby gesteckt habe, lerne und lese ich jetzt für das Studium – was für mich aber voll OK ist, denn es macht einfach mega Spaß 🤩

Für alle Sci-Fi-Fans: wir Zukunftsforschenden schauen gerne in die Sci-Fi Literatur und welche Zukunftsbilder dort vermittelt werden. Lesetipp: Science-Fiction-Futurologien von Julia Grillmayr.

Zusätzlich habe ich mit dem Herzensmenschen angefangen, Lindy-Hop (wird zu Swing getanzt) zu tanzen. Damit ist der regelmäßige Rollenspieltag am Mittwoch verplant gewesen. Trotz dieser neuen Prioritäten, spiele ich weiter und mache Dinge im Rollenspiel. Den Blog möchte ich auch weiterschreiben, vermutlich aber eher mit kürzeren Beiträgen, und ich spreche auch hier noch einmal die Einladung aus: Ich freue mich über Gastbeiträge! Besonders von Queer und FLINTA*! So, und nun aber zum Rollenspieljahresrückblickkrams.

Highlights
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  • Ich mag regelleichte Rollenspiele, nicht nur weil diese schnell zum Spielen geeignet sind, sondern auch weil sich diese so super auf die eigenen Settings und Bedürfnisse zuschneiden lassen. Die hunderte Mörk Börg Hacks sind das beste Beispiel dafür. Deswegen habe ich angefangen, das regelleichte Rollenspiel 24XX und das dazu passende Systemreferenzdokument (SRD) zu übersetzen. Wer ein leichtes Regelsystem sucht, um die eigene Rollenspielideen umzusetzen, sollte sich 24XX definitiv anschauen. Denkt daran, mir Bescheid zu geben, wenn ihr damit was anstellt!
  • Der Podcast Rollenspiel Garage hat mich eingeladen. Zusammen mit Carl und Seba habe ich über den Blog, die Übersetzung der 24XX SRD (System Referenz Dokument), den OgeR e.V. und LARP gesprochen. Wenn Du herausfinden willst, welches Rollenspielprojekt ich mit unendlich viel Zeit und Geld umsetzen würde, dann musst Du Dir die ganze Folge anhören.

Gespielt in 2025
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Insgesamt habe ich an 45 Tage eine oder mehrer Sessions (auf Konferenzen) gespielt im letzten Jahr. Deutlich weniger als 2024. Allerdings habe ich dafür gleich zwei Kampagnen gespielt: eine kurze Troika geleitet von Florian (Rollenspielblog), und eine Deatmatch Island (mehr dazu weiter unten). Neuentdeckt habe ich:

  • Goodbay Father (Mini LARP)
  • Changeling: The Lost
  • Troika
  • Electric Bastionland
  • The Fall of Magic
  • Tension (Duet)
  • Dead Friend: A Game of Necromancy
  • Candela Obscura
  • Lady Susan P.I. - Arcane Academia
  • You Can Check Out Any Time You Like, But You Can Never Leave
  • The Kids are not alright (Mini LARP)
  • Kid Cthulhu: Der Weiße Schrecken
  • Electric Bastionland
  • Drei Playtests von unveröffentlichten Spielen, eins von mir und eins von jemand anderem.

Empfehlungen
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  • Herzlichen Glückwunsch an Plotbunny Games und alle Autor*innen des Projekts – Paranormal Inc. wurde finanziert. Für alle, die es nicht kennen: Bei Paranormal Inc. spielen wir Charaktere, welche Geister und andere paranormale Phänomene untersuchen. Die Basis des Spiels ist Carved by Brindlewood. Beim Crowdfunding wurden einige Extras wie weitere Mysterien freigeschaltet. Schaut doch mal in das Actual Play bei Orkenspalter TV vorbei. Paranormal Inc. wird im Herbst veröffentlicht.
  • Mit Taumelnde Welten veröffentlicht JP-Stories ein One-Shot-Universalsystem. Geworfen wird mit einem D6. Als Spielende haben wir eine große Auswahl an Archetypen, die wir dann jeweils individualisieren können. Taumelnde Welten ist darauf ausgelegt, in verschiedenen Zeiten & Welten zu spielen. Ich durfte es bereits ein Mal playtesten und kann es wärmstens empfehlen.
  • Im Podcast Special Interest Schnack reden Nacchi und Tahina über…nun ja über spezielle Themen. Die ersten sechs Episoden drehen sich nur um Interview with a Vampire, jetzt geht es los mit dem Computer-Rollenspiel Dragon Age: Vanguard!
  • Hilmar hat nicht nur seinen eigenen Horror-Actual-Play-Podcast DarkFM gestartet, sondern auch einen Podcast über Rollenspiel und Journalismus. In Facts & Fantasy trifft Journalismus auf Rollenspiel und beleuchtet das Potentiale dieses treffens.

OSR - Tödliches Reality TV - Böse Feen
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Der Rollenspielblog hat drei Sessions Electric Bastionland geleitet, ein lustiges System mit noch viel witzigeren Charakteren, die wir erwürfeln können. Mein Necroromancer hat es leider, trotz talentierter Fußmassagen, nicht hinbekommen, einen Toten wiederzubeleben. Cooles kleines System, mit dem sich kurze Kampagnen oder One-Shot spielen lassen. Als Spieler gerne, als Spielleiter bleibe ich dann aber eher bei DCC oder Cairn 2ed im OSR/NSR Bereich.

Im Sommer konnte ich das Nordic LARP The Kids are Not alright ausprobieren. Gespielt werden Therapiestunden von Kindern, die vermeintlich übernatürliche Begegnungen haben. Spielende schlüpfen entweder in die Rolle der Kinder oder der Therapeut*innen. Ein LARP das stark in Kindheitstraumata hineingeht. Fokus stehe Bilder, die jeweils in Zwischenszenen mit Wachsmalstiften gezeichnet werden. Die Bilder werden dann als Aufhänger/Prompt für die nächste Therapiesitzung verwendet.

Spannendes Konzept, das zu intensivem Charakter Play führt. Leider bin ich nicht happy mit dem Ende des LARPs, dies kommt für die Spielenden sehr plötzlich und schafft keinen runden Abschluss der einzelnen Geschichten. Möchte da gerne noch mal ran, denn die Idee mit den Wachsmalstiften funktioniert echt gut. Seht selbst!

Frühsommer ist leider meine Berliner Spielrunde auseinandergegangen – nicht im Schlechten! Menschen sind weggezogen oder konzentrieren sich auf andere Dinge im Leben. Tatsächlich ein kleiner gut Punch. Ich habe sehr gerne mit der Gruppe gespielt 💔 Ich würde das Gefühl vergleichen mit einer guten Buchreihe zu beenden mit der Gewissheit, ich werde die Charaktere nie wiedersehen. Gleichzeitig mit dem Wissen, dass ich jetzt die Möglichkeit habe, ganz neue kennenzulernen. Wie immer: ein lachendes und ein weinendes Auge. seufz

Umso cooler, ich habe endlich eine Gruppe für Deathmatch Island gefunden. Ich bin schon länger von dem Tribute von Panem inspirierten Spiel begeistert. Auf Mastodon finde ich einen kurzen Überblick zu Deathmatch Island. In 5 Sessions haben sich meine drei Spielenden durch die tödliche Game Show gekämpft, um am Ende tatsächlich sogar die Show zu beenden … für wie lange, blieb jedoch unklar ;)

Eine Überraschung 2025 war The Fall of Magic. Einige kennen es durchs sehen der schönen Spielmaterialien: ein langes Stofftuch mit der Karte auf der wir spielen und Tokens - ich hab mir allerdings die günstigere Version zum selbst drucken gekauft. Trotz des Fehlens von irgendwelchen Regelmechaniken erschafft dieses Spiel eine dichte und spannende Geschichte. In dem spielleitungslosen Erzählspiel sind wir Charaktere, die den letzten Magier zum Ursprung der Magie begleiten. Ich meine, wir haben knapp neun Stunden an einem Samstag gespielt und es war großartig! Unser Magi hatte den „Tick“, sich ständig in etwas anderes zu verwandeln, in verschiedene Tiere, Baby, einen Jugendlichen oder einen alten Menschen, was natürlich zu den skurrilsten Szenen geführt hat. Zum Schluss entpuppte sich einer unserer Charaktere als der nächste Magi. Sehr gerne wieder und ich möchte definitiv den Nachfolger City of Winter spielen.

Unerwartet, aber 2025 hatte ich die Gelegenheit, die ersten Duet Games auszuprobieren, eine spannende Erfahrung. 2026 möchte ich mehr davon ausprobieren.

Ursprünglich wollte ich 2025 nach Deathmatch Island mir The Last Caravan anschauen, spielen und herausfinden, ob sich das Ganze auf einen europäischen Roadtrip übertragen lässt. Abgelenkt hat mich davon dann Changeling: The Lost.

In Changeling: The Lost spielen wir Menschen, die durch Feen entführt wurden. Diese Fae, sind mächtige Wesen und unverständlich für das menschliche Leben. Sie unterwerfen die Menschen zu ihrem Vergnügen, verwandeln sie in ihre Spielgerfährt*innen, Puppen und Diener nach ihrem Willen. Trotz der Macht der Feen, ergriffen die Charaktere die Chance zu fliehen und landeten wieder in der menschlichen Welt als Changelings - weder Mensch noch Fee. Also im Grunde, ein Spiel über traumatisierte Menschen, die wieder Boden unter den Füßen fassen.

Ein unheimlich spannendes Setting, das, wie alle World of Darkness Rollenspiele, einen großen politischen Anteil hat. Es geht viel um Motive der jeweiligen Changeling, ihrer Gemeinschaften, Machtverhältnisse, während gleichzeitig wie eine dunkle Wolke am Horizont die Angst existiert, dass die Fae einen zurückholt in das Feenreich.

Dem Regelwerk und den Texten merkt man leider das Alter an. Ein ehrliches Lektorat, das Texte verschlankt, Wiederholung streicht und auch einige Regeln glattzieht, hätte gutgetan. Hinzu kommt ein ganzer Kosmos an Begriffen wie Changeling, Fae, Fey, Merits, Kith oder Glamour. So müssen Spielleitung und Spielende zunächst ein ganzes Vokabular an Regeln erlernen – für andere toll, für mich leider anstrengend. Ich bin nicht der Erste mit diesem Problem, denn ein PbTA-Hack für Changeling: The Lost gibt es bereits.

Ob mit den Originalregeln oder anderen, ich habe Lust, eine kurze Changeling: The Lost-Kampagne zu leiten. Kennt ihr das Rollenspiel bereits und habt eine Kampagne gespielt?

Das war’s mit dem Rückblick, ich wünsche Euch einen guten Start in das neue Jahr, und mögen Euch die Geschichten und Würfel gewogen sein!


Call to Action
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Die kalte Jahreszeit hat wieder begonnen. Im Winter 2024/2025 in Deutschland sind etliche wohnungslose Menschen erfroren. In vielen Städten gibt es die Kältehilfe der Johanniter, Diokonie oder verschiedener Träger, die ihr mit ein paar Euros unterstützen könnt.