2024 hielt viel Unerwartetes parat. Mein Plan, eine Liste an Rollenspielen abzuspielen hat nicht funktioniert, daher wird diese für 2025 nicht geben. Es entstehen einfach zu spannende Runden, auf die ich nicht verzichten möchte.
Insgesamt habe ich 64 Rollenspielrunden in meinem Kalender gefunden, leider habe ich keinen Vergleich zu den letzten Jahren. Seit Januar 2024 gehe ich außerdem regelmäßig zum Schreibtreff Shut Up and Write. Dort entstehen die meisten Artikel für den Blog, Rollenspielmaterialien und Vorbereitung für meine Runden. Meist findet der Schreibtreff in einem Kaffee statt: 45 Minuten schreiben, 15 Minuten Pause und 45 Minuten schreiben. Perfekt für alle, die nicht allein schreiben wollen oder einen Funken Motivation benötigen. ;)
Ich habe an vier Rollenspielkonferenzen und -treffen im Jahr 2024 teilgenommen und freue mich auf die Konferenzen- und treffen in diesem Jahr. Nach wie vor spiele ich online mit Freunden die Call of Cthulhu Kampagne Feind meines Feindes genauer gesagt mittlerweile den zweiten Teil Umringt von Freunden. Offline habe ich eine feste Gruppe, mit der ich The Wildsea gespielt habe und in diesem Jahr weitere Kampagnen starten möchte. Weiterhin spiele ich viele One-Shots beim Englischsprachigen Stammtisch bei der Berliner Volkssolidarität. Dort organisierte ich erneut das Zine “Every Wednesday WE Roll”. Von Artikeln, Szenarien oder Zufallstabellen ist wieder alles dabei gewesen - das Zine haben wir kostenlos auf Itch.io veröffentlicht.
Beim OgeR e.V. wurde ich wieder zum Kassenwart gewählt, aber am meisten hat mich der Mitgliederzuwachs über das Jahr gefreut. Außerdem haben einige aus dem Verein für den Gratisrollenspieltag den Lasers und Feelings Hack Oger Überfall innerhalb von wenigen Wochen gebastelt - großartig 🙌
Ich habe gefühlt in 2024 weniger gespielt als tatsächlich geleitet. Zum einen die angesprochene The Wildsea Kampagne, ein Few-Shot Monsterhearts so wie The Between. Auf den Rollenspielkonferenzen habe ich nur gespielt. Neu für mich entdeckt: LARPs und Freeforms, dazu später mehr.
Rollenspielkonferenzen #
Symposium des Schreckens #
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir das Symposium des Schreckens. Meine erste Rollenspielkonferenz, auf der ich tatsächlich nur zu einer Spielrunde gekommen bin.
Das Symposium wurde von Arne und Carsten organisiert, zwei engagierte Autoren aus der Horrorrollenspielszene. Ziel des Symposiums war die Auseinandersetzung mit Horror im Rollenspiel. Die beiden steckten uns Teilnehmenden einen Rahmen, den wir im Sinne einer Unkonferenz/OpenSpace selbst organisierten. Sprich, wir hatten Timeslots, Räume und Material, die Themen, Workshops und Vorträge wurden spontan vor Ort vorgestellt.
Sessions beinhalteten die volle Bandbreite an Themen wie “Warum eigentlich Horror?”, “Safety Tools”, “One-Shot schreiben in 45 Minuten”, “Persönlicher Horror” oder mein eigener Slot “Ostdeutscher Horror”. Mir gefiel es sehr, tief in die verschiedenen Themen einzusteigen, zu diskutieren und habe einiges mitgenommen. Vor allem habe ich ein Mal mehr gelernt, wie unterschiedlich die Spielstile in unserem Hobby sind.

Am zweiten Abend habe ich dann mein erstes LARP Of You Own Free Will von Stefan Deutsch gespielt. Das Ganze hat mir so gut gefallen, dass ich das Mini LARP bereits dreimal selbst angeboten habe und war damit ich auch der Einstieg in das Thema LARP welches mich für den Rest von 2024 begleiten sollte.
anRUFUNG #
Meinen Rückblick auf die anRUFUNG 2024 kannst Du in meinem Blog lesen, nur so viel ich habe richtig Bock, 2025 wieder nach Duderstadt zu fahren. Vielleicht sehen wir uns ja dort :)
Die erste BIRCon #
Einige Berliner Spieler*innen haben sich zusammen getan und die erste Berlin International Roleplaying Convention gestartet. Die Location war das Spielcafé Tales Untold. Neben Spielrunden gab es Workshops, Stände und eine Verlosung an Rollenspielmaterial.
Am Nachmittag durfte ich meine erste Runde Spire ausprobieren. Abends leitete ich einen Liminal Horror One-Shot mit dem Modul The Bloom. Aufhänge, meiner Runde war ein Campingtrip nach Coldwater - der natürlich gehörig schieflief. Der Kleinstadt- und Naturhorror hat super funktioniert und meine Spielenden haben sich voll drauf eingelassen und Konflikte innerhalb der Gruppe kräftig befeuert.

Liminal Horror beweist auch hier einfach, was für ein gutes System es ist, die Regeln sind einfach erklärt, Charakter in unter 15 Minuten erschaffen und die verschiedenen Module bieten mit eigenen Fallouts viel Horrorstimmung.
Da mir die Charakterblätter für Liminal Horror überhaupt nicht gefielen, habe ich für die BIRCon selbst welche gebastelt. Die Charakterbögen sind auf Englisch und auf Deutsch auf Itch.io zu finden, und wer die Bögen weiterentwickeln möchte, findet die Affinity Publisher auch auf Itch.io mit CC-Lizenz.
Die Community auf der BIRCon war super, coole Aussteller und ein buntes Angebot an Runden gab es auch. Leider ist das Tales Untold nicht geeignet für große Gruppen. Es ist einfach zu laut und meist mussten wir uns am Spieltisch mehr anschreien als unterhalten. Ich hatte zwei Tage später noch eine heisere Stimme. Ich hoffe, die Organisation findet für 2025 einen geeigneteren Raum. Ich hoffe, dass die BIRCon auch 2025 wieder stattfindet, gerade Berlin bietet die Möglichkeit, ein internationaler Schmelzziegel von Rollenspielkulturen zu werden. Einen weiteren Rückblick könnt ihr beim Rollenspielblog nachlesen.
Rollenspielwochenende #
Im Oktober war ich dann noch mit knapp 30 Personen auf einem privat organisierten Rollenspielwochenende. Besonders gefreut hat es mich Menschen real zu treffen, die ich online von Mastodon, Discord oder online Runden kannte.
Gespielt habe ich Spire, Vaesen, The Magnus Archive, Jadara und hey, this song reminds me of you. The Magnus Archive ist ein Audio Drama/Horror Podcast von Rusty Quill den ich schon einige Jahre höre. Als bekannt wurde, dass es eine Rollenspieladaption geben soll, war ich zunächst begeistert, denn das Ausgangsmaterial bietet viel Raum für eigene Horrorgeschichten. Die Verwendung des Cypher Systems hielt mich vom Crowdfunding ab. Ich verstehe das System nicht, halte es für umständlich, wenig intuitiv und vor allem erkenne ich nicht, wie die Regeln die Story vorantreiben. Trotzdem wollte ich die Chance nutzen, The Magnus Archive einmal zu spielen – es blieb leider bei meiner Kritik vom Cypher System: nicht spielbar. Gutes und interessantes Material, aber für mich leider ungeeignet.
Ganz im Gegensatz dazu war dafür das Erzählspiel Jadara welches ich an dem Wochenende ausgiebig, sechseinhalb Stunden inklusive Pausen, um genau zu sein, spielen und playtesten durfte. Jadara ist ein Dune inspiriertes Rollenspiel, bei dem wir die Stammesoberhäupter von Stämmen auf einem, you guessed right, Wüstenplaneten mit einzigartigen Ressourcen spielen. Ich würde Jadara treffender als Passion de La Passion in der Wüste, mit einer Priese leadership coaching bezeichnen.
Jadara lebt von dichten Beziehungsgeflechten zwischen den Stammesoberhäuptern, die zwischen Feinden, Geliebten und Verbündeten hin und her wechseln. Dazu kommen ständig Ereignisse, die uns erneut zu Entscheidungen zwingen. Jadara ist ganz großes Kino und ich freue mich, dass es bald veröffentlicht wird. Wer neugierig ist, sollte Harald folgen ;)
Wildsea Kampagne #

Ich habe eine Runde, mit der ich sehr gerne spiele, vor allem weil wir alle einen ähnlichen Spielstil haben: Schwerpunkt auf Charakterspiel und Plot. Als The Wildsea vorgeschlagen wurde, war ich allerdings schon skeptisch, konnte aber nicht den Finger drauflegen.
Bei The Wildsea spielen wir anthropomorphe Wesen, die auf einem Planeten (Erde?) leben, welcher überwuchert von einem Wald ist. Genau auf diesem Wald bewegen wir uns als Crew mittels Schiff, statt Wasser fräsen wir uns allerdings mit Kettensegen durch die Bäume - klingt cool, oder? Dazu kommen kreative Völker wie Motten, Kakteen, magisch zum Leben erweckte Schiffswracks oder Haifische. Wer auf weird steht, kommt auf seine Kosten.
Das Regelwerk baut auf Blades in the Dark auf, bekommt es aber nicht hin, die Regeln vollständig zu adaptieren. Es fühlt sich mehr nach vielen Ideen an, die aber nicht ausreichend verknüpft sind. Gewürfelt wird mit einem Pool aus W6. Wir haben Edges, Skills, Aspects und Ressourcen, die wir einsetzen können, um Würfel zu erlangen. Problem: Alle haben eigene Namen, die zwar Athmospherisch sind, aber auch nach fünf Runden hatte ich im Grunde nie eine Ahnung, was ich jetzt einsetzen soll. Im Regelbuch gibt es zwar eine Übersicht, aber ich lerne keine Vokabeln fürs Rollenspielen 🤷♂️
Zusätzlich gibt es Twists und Whispers und im Grunde sagen beide: Denk Dir was aus. Beides sind coole Ideen, allerdings steckt eben keine Mechanik dahinter.
Wird ein Pasch (zwei Würfel mit der gleichen Augenzahl) gewürfelt, kommt es zu einem Twist, dieser kann gut oder schlecht sein. Diese sollen etwas Unerwartetes darstellen, aber mehr gibt das Regelwerk leider nicht her, sodass häufig unsere Spielleitung den Twist aufhob oder uns einen Vorteil/Nachteil verlieh.
Whispers sind sozusagen Geheimnisse, die gefunden werden können und dann geflüstert, gesprochen oder gebrüllt werden können und die Realität auf den Kopf stellen, aber auch hier gab es nicht mehr als ein: denkt Euch was aus. Schade. Regelwerk und Thema sind enttäuschenderweise nicht miteinander verbunden worden und Mechaniken sind in ihrer Konzeptionsphase stecken geblieben.
Zusätzlich fehlt es mir an Mechaniken, die meinen Charakter (ein Motte) mit der Welt verknüpft, wie ich es von den Carved by Brindleewood Spielen gewöhnt bin. Zusätzlich habe ich in diesem Jahr gemerkt, dass ich keinen Spaß an reinem Welterkunden habe, ich mag es, wenn ich von Anfang an ein Ziel habe. The Wildsea ist allerdings eine Sandbox und das funktioniert leider nicht für mich.
Trotzdem möchte ich allen The Wildsea ans Herz legen, die Lust haben, tief in eine neue Welt mit unbekannten Völkern und Geschichten einzusteigen. Lust an endlosen Sandboxen haben und nicht vor unbekannten Begriffen zum Lernen zurückschrecken.
Deathmatch Island #

Deathmatch Island is a fast-paced roleplaying game about a deadly gameshow on a chain of mysterious islands. If you’re a fan of Squid Game, Severance, Control, corporate dystopia, or messed up Reality TV, you’re going to enjoy Deathmatch Island.
Größte Überraschung 2024: Deathmatch Island. Hinter dem actiongeladenen Rollenspiel steckt das PARAGORN System (ursprünglich von John Harper für AGORN entwickelt) und ist von Squid Games und Tribute von Panem inspiriert. Deathmatch Island schafft es wie kein anderes Rollenspiel, schnelle Actionszenen und ein cinematografie Erlebnis zu erzeugen.
Die Spielenden wachen auf einem Boot auf. Sie werden darüber informiert, dass sie in der Show Deathmatch Island mitspielen, die Aufgabe: Spiel, um zu gewinnen. Über das Spiel hinweg müssen die Spielenden tödliche Herausforderungen auf verschiedenen Inseln meistern, sich gegen andere Teams behaupten, mehr über die Geheimnisse der Gameshow zu erfahren nur um am Schluss in einem Battle Royal einander auf dem Weg zu Sieg aus dem Weg zu räumen.
Die Crowdfunding-Kampagne hat mich sofort gehooked. Das Regelbuch ist ein Beispiel für thematisches Design! Als Spielleitung habe ich immerzu das Gefühl, eine Regieanleitung für eine Gameshow zu lesen, dabei sind die Regeln gut mit Diagrammen erklärt.
Bisher konnte ich nur einige One-Shots spielen, aber diese haben einige der besten Szenen 2024 erzeugt. Sobald ich auch eine Kampagne gespielt habe, wird es einen längeren Artikel zu Deathmatch Island geben.
LARP und Freeform #
Ich habe es schon angedeutet, seit dem Symposium des Schreckens habe ich mich sozusagen im Hobby vor und angefangen, mit LARP (Live Actual Roleplaying) zu beschäftigen.
So dachte ich früher, dass es eine Szene ist, die hauptsächlich Mittelalter und gelegentlich Vampire bespielt. Ich wurde eines Besseren belehrt, besonders im Bereich Horror und Drama gibt es viele Formate.
Ich habe 2024 hauptsächlich Mini LARPs gespielt oder bestehende One-Shots, die am Tisch gespielt werden, mit LARP Elementen gespielt. Ich denke, da kommt auch noch ein einzelner Artikel dazu.
Jahresrückblicke mit Kuchen #
Auch andere Blogs haben Jahresrückblicke geschrieben, welche ich Euch nicht vorenthalten möchte. Sollte ich Euch vergessen haben, schreibt mir gerne auf Mastodon.
-
Der Rollenspielblog hat natürlich genau aufgeschrieben, was gespielt wird, und dazu gibt es sogar Kuchen☝️
-
Norbert feierte 2024 nicht nur 20 Jahre Rollenspiel, sondern auch sein 2000te Session 🧁.
-
Der Steinbruch blickt auf ein fleißiges 2024 zurück.
Was kommt 2025? #
Ich werde auf jeden Fall den Blog weiter schreiben, zwar schreibe ich recht langsam, allerdings macht es Spaß - besonders wenn ich von Lesenden angesprochen werde :) Thematisch will ich weiterhin einfach schreiben, worauf ich Lust habe und auch mit den Formaten experimentieren.
Ganz klar, zu den Rollenspielkonferenzen möchte ich wieder gehen. Kontakt zur Szene über das Internet hinaus tat sehr gut.
Eine richtige Liste an Spielen, die ich spielen will, habe ich nicht. Allerdings habe ich große Lust, eine Deathmatch Island und eine The Last Caravan: A Cars and Aliens Kampagne zu leiten. Das Thema LARPs wird mich auch weiter begleiten und ich denke besonders mit dieser Form des Rollenspiels werde ich in 2025 experimentieren.
Und bei Euch? Wir war 2024 und worauf freut ihr Euch im Hobby Rollenspiel 2025 besonders?